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EU will Anbau von Obst und Gemüse regulieren

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4 Jahre 3 Monate her #173 von Mod.
Mod. erstellte das Thema EU will Anbau von Obst und Gemüse regulieren
Liebe Freunde,

es ist ja mittlerweile schon in fast jedem großen Forum besprochen worden. Wer sich ggf. wundert, warum gerade wir hier noch nichts dazu geschrieben haben, der sollte jetzt einmal im April unseren Garten besuchen ;) .

Wir werden uns mit diesem Themas auf eine etwas andere Art und Weise beschäftigen, denke ich.
Saatgut kann man ja auch anders verwenden, wie genau, darüber müssen wir uns Gedanken machen. In jedem Fall wird es ein Thema auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung werden.

Ich empfehle daher den Besuch der Mitgliederversammlung am Sonntag. Gäste sind ebenfalls sehr willkommen.

Viele Grüße

Frank

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4 Jahre 2 Monate her - 4 Jahre 2 Monate her #176 von dette
dette antwortete auf das Thema: Saatgutverordnung - können wir was tun?
Hallo,

auf der letzten außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde angeregt, dass wir uns als Verein öffentlich stark machen sollten in Themen, die unsere Tätigkeit betreffen. Super Idee, die bisher vllt. etwas zu kurz gekommen ist.

Als Anfang haben wir auf unserer Seite schon mal Stellung zu den Themen Saatgutverordnung und Privatisierung von Wasser bezogen. Natürlich sind diese Themen im Netz schon auf vielen Seiten zu finden, was aber nicht bedeutet, dass es jeden erreicht. Darum finde ich persönlich diese Aktion sehr gut. Es gibt direkte Links zu Petitionen zum Unterschreiben.

Natürlich kenne ich die Diskussionen über die Sinnigkeit von Petitionen, das für und wider und bin persönlich sehr verunsichert, ob es Sinn macht, solch eine Petition zu unterschreiben. Mein naiver Menschenverstand sagt eindeutig ja, weil es das mindeste ist, was ich tun kann und es ja sein kann, dass diese Stimmen tatsächlich etwas bewirken. Wir haben alle eine Stimme aber wissen nicht, ob sie gehört wird, aber alleine die Tat, für etwas zu stimmen, könnte doch irgendwo Anklang finden – wenn nicht im Bundestag, dann vllt. im Universum oder in einem selbst?

Es gibt so viele Baustellen auf der Welt, dass man ständig Petitionen unterschreiben könnte/müsste, was einfach nicht machbar ist. Aber gerade das Thema mit der Saatgutverordnung, dass ich in der letzten Zeit nur so nebenbei mit verfolgt habe und nun präsent ist, finde ich wirklich dramatisch und kann es kaum glauben, dass es nun soweit ist, so dass ich sehr gerne mehr als nur eine Petition unterschreiben möchte.

Auf der ganzen Welt werden ja in der Politik die absurdesten Dinge beschlossen, die so verrückt anmuten, dass sich die wenigsten damit auseinandersetzen, weil man sich nicht vorstellen kann, dass es so was gibt. Es klingt alles irgendwie wie Verschwörungstheorie, aber ist tatsächlich geplant? Ich glaube, das funktioniert nur, weil es absolut absurd ist, oder?

Wie kann es denn sein, dass nur noch erlaubtes Saatgut verwendet werden darf und dies auch noch im privaten Bereich? Das müsste ja kontrolliert werden und würde auf das Denunzieren von Nachbarn hinauslaufen. Eine schreckliche Vorstellung, die ich leider schon einmal vor ein paar Jahren erfahren musste, als Nachbarn eine Familie denunzierten, die trotz Verbotes in der Zeit der „Vogelgrippe“ ihre Hühner frei laufen ließen. Dieses Geschehniss lässt mich seit Jahren nicht los und macht mir sehr Angst. Es ist also möglich.

Am meisten interessiert mich ja, was der offizielle Grund für diese Saatgutverordnung ist. Als ich gerade recherchierte fand ich zwar keine Antwort, aber eine Meldung, dass die Verordnung für den Privatmann/Kleingärtner schon vom Tisch ist.

Wenn dies stimmt, dann ist es ja schon mal gut, aber es bleibt die Verordnung für den gewerblichen Anbau, was ja eigentlich gar nicht geht, da ich immer dachte, dass Bioanbau nicht genmanipuliert sein darf. Es gäbe dann also 100 % genmanipulierten Bioanbau? Ganz davon abgesehen, ist es auch für konv. Obst und Gemüse, was ja sowieso schon chem. verseucht ist, nicht förderlich, wenn es nun auch noch genmanipuliert ist. Viele Sorten werden da wohl nicht mehr verloren gehen, das ist der einzige Trost, aber Allergien und andere Krankheiten werden sicher steigen in der Bevölkerung. Na ja, dies ist nur eine persönliche Vermutung.

Auf jeden Fall kann ich mir gut vorstellen, dass die Saatgutverordnung auch im privaten Bereich durchgedrückt wird, wenn es erst mal für den gewerblichen Anbau durch ist –step by step.

Natürlich ist die Frage, ob man sich überhaupt mit solchen schrecklichen Themen beschäftigen soll. Ich persönlich denke, dass alles kommt, wie es kommt und dass Monsanto und Co. noch nicht als Verbrecher hinter Gittern sitzen, zeigt ja, wie ein paar einzelne Menschen auf der Welt trotz Widerstand weltweit tun und lassen können, was sie wollen und sogar von der EU unterstützt werden. Oder zeigt es nur, dass der Widerstand nicht groß genug ist? Das kann ich leider nicht einschätzen. Wir wissen ja alle gar nicht, was eigentlich wirklich los ist.

Auch wenn ich denke, dass alles kommt, wie es kommt, so bin ich momentan in das Thema involviert und würde sehr gerne etwas tun.
Wenn jemand eine Idee hat, was wir als Verein neben „Petitionen unterschreiben“ noch tun können, dann raus mit Ideen.

Liebe Grüße

Dette
Letzte Änderung: 4 Jahre 2 Monate her von dette.

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4 Jahre 2 Monate her #177 von Mod.
Mod. antwortete auf das Thema: Saatgutverordnung - können wir was tun?
Liebe Dette,

ich habe gerade Deinen Eintrag gelesen. Ich sehe die meisten Dinge ebenso wie Du!

Was ich anders sehe, ist den von Dir erwähnten genmanipulierten Bioanbau. Wo hast Du diese Information her? Meines Wissens lehnen Bioverbände wie Demeter oder Bioland die Erzeugung von Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten Pflanzen komplett ab.

Was ich noch anders sehe ist das Angsthema. Angst erzeugt doch eine Art von Erstarrung, wie das Kaninchen, das vor der Schlange sitzt. Sollten wir (das Kaninchen) die Schlange nicht einfach an Ort und Stelle liegen lassen und weg hoppeln? Hierzu ein Beispiel: im Winter werden hierzulande überall Meisen, Spechte, Kleiber, Finken usw. gefüttert. Als Vogelfutter dienen in erster Linie Samenkörner. Nun, das Füttern von Vögeln in der Natur ist ja wohl nicht das Thema der EU bzw. wird in absehbarer Zeit auch nicht verboten werden. Demnach kann ich doch wilde Vögel füttern wann und wo ich will. Immer wieder kommt es bei derartigen Futteraktionen vor, dass einzelne Samenkörner irgendwo auf die Erde fallen und so einen anderen Weg gehen, den wir doch überhaupt nicht beabsichtigt hatten...

Den von Dir verlinkten Beitrag konnte ich übrigens nicht anklicken, jedenfalls wurde die Seite nicht gefunden.

Liebe Grüße und Kopf hoch B)

Frank

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4 Jahre 2 Monate her #178 von dette
dette antwortete auf das Thema: Saatgutverordnung - können wir was tun?
Lieber Frank,

Was ich anders sehe, ist den von Dir erwähnten genmanipulierten Bioanbau. Wo hast Du diese Information her? Meines Wissens lehnen Bioverbände wie Demeter oder Bioland die Erzeugung von Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten Pflanzen komplett ab.


Da hast du mich falsch verstanden ;). Ich habe eine Frage gestellt, da ich die Saatgutverordnung noch nicht so ganz verstanden habe. So wie ich es verstanden habe, ist es eine Verordnung im EU-Bereich, dass nur noch bestimmte Samen erlaubt sind, welche überwiegend von Monsanto und Co. kommen.

Zitat aus dem Netz:

In Zukunft soll nur noch das ausgesät werden dürfen, was die EU erlaubt. Und das ist - welch ein Zufall - nur jenes Saatgut, welches von Monsanto & Co. angeboten wird. Wer den Konzern Monsanto kennt, weiß, dass diese Firma nur noch Saatgut benutzt, was genmanipuliert ist.


Ich kann mir vorstellen, dass für den Bioanbau Samensorten ausgesucht werden, die nicht genmanipuliert sind. Ich habe leider nichts darüber finden können. Weil ich keine Meldung fand, dass Biobauern ausgeschlossen werden von den genormten Samen, fragte ich hier nach, da ich ja bisher auch annahm, dass Genmanipulation niemals im Bioanbau vorkommen darf. Letztendlich werden wir das aber wahrscheinlich gar nicht rausbekommen, da wir immer abhängig sind von Nachrichten, die sich ständig widersprechen. Und selbst wenn es irgendwo schwarz auf weiß gedruckt wird, dass Biobauern nicht manipuliertes Samengut bekommen, dann weiß doch auch niemand, ob das so ist. Wie wollen wir das denn nachprüfen? Wenn solch ein absurdes Gesetz erlassen wird, dann ist doch alles möglich. So ein Gesetzt ist doch nur der Fuß in der Tür von Monsanto und ähnlichen Firmen.

Was ich noch anders sehe ist das Angsthema. Angst erzeugt doch eine Art von Erstarrung, wie das Kaninchen, das vor der Schlange sitzt. Sollten wir (das Kaninchen) die Schlange nicht einfach an Ort und Stelle liegen lassen und weg hoppeln? Hierzu ein Beispiel: im Winter werden hierzulande überall Meisen, Spechte, Kleiber, Finken usw. gefüttert. Als Vogelfutter dienen in erster Linie Samenkörner. Nun, das Füttern von Vögeln in der Natur ist ja wohl nicht das Thema der EU bzw. wird in absehbarer Zeit auch nicht verboten werden. Demnach kann ich doch wilde Vögel füttern wann und wo ich will. Immer wieder kommt es bei derartigen Futteraktionen vor, dass einzelne Samenkörner irgendwo auf die Erde fallen und so einen anderen Weg gehen, den wir doch überhaupt nicht beabsichtigt hatten...


Da gebe ich dir Recht. Angst ist nicht gut und vllt. habe ich mich etwas übertrieben ausgedrückt. Aber das Denunzieren von Nachbarn, damit absurde Gesetze von ganz oben eingehalten werden, hat mich sehr erschreckt, weil ich in meiner Naivität nicht dachte, dass das geschieht. Bevor ich die Entwarnung las, dass Gärtner doch ihre eigenen Samen verwenden dürfen, machte ich mir Gedanken darüber, wer das denn kontrollieren will. Aber dann fiel mir die Geschichte mit den Hühnern ein und mir war klar, dass es sehr einfach ist. Das sollte natürlich keine Angst machen. Auch wenn es so ist, kann man sich immer wieder eine andere Lösung einfallen lassen, auch wenn dies meist nur Notlösungen sind.

Die Idee durch Vögel alte Sorten zu verbreiten ist super und ein wichtiger Schritt. Dann kann man nur hoffen, dass der Samen dort aufgehen kann, wo er nicht gleich wieder nieder gemetzelt wird. Ich hatte mal vor ein paar Jahren ein paar Kilo Topinambur auf einem Stück Land nähe Park gepflanzt, was total wild war. Dort lief niemand lang und die Stadt arbeitete dort auch nicht. Leider blieb das nicht so – das schwere Geschütz kam dann doch und nun ist alles platt.

Der Artikel, den ich gestern verlinkt habe, ist schon wieder rausgenommen. So schnelllebig ist das Internet. Aber ich habe weitere Artikel im Netz gefunden, dass Gärtner nicht betroffen sind und dies nur von den Medien verbreitet wurde. Nun weiß man natürlich nicht, was die Falschmeldungen und was die richtigen Meldungen sind ;). Aber ich gehe davon aus, dass Gärtner nicht betroffen sind.

Liebe Grüße

Dette

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4 Jahre 2 Monate her #184 von Mod.
Mod. antwortete auf das Thema: Saatgutverordnung - können wir was tun?
Aus aktuellem Anlass werden wir uns auf dem nächsten Treffen über unsere Möglichkeiten austauschen, die uns nach der Regulation der neuen EU-Saatgutverordnung bez. des Saatguts verbleiben.

Hier einige detailierte Infos zum Thema:

alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/05...t-unser-saatgut.html

In den Kommentaren steht, dass Privatpersonen nicht davon betroffen sind. Die Frage ist natürlich wann diese Regelung gekippt wird. Verkaufen werden wir übrigens nie Saatgut, in so fern haben wir auch nichts mit einer Firma zu tun, die aus dem Verkauf von Saatgut finanzielle Vorteile erzielt.

Für uns kommt nur der Tausch und der Erhalt von Saatgut in frage.

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4 Jahre 2 Monate her - 4 Jahre 2 Monate her #185 von dette
dette antwortete auf das Thema: Saatgutverordnung - können wir was tun?
Wie ich schon oben schrieb, denke ich, dass die Saatgutverordnung für den Handel nur der Fuß in der Tür ist. Gerade eben stieß ich zufälliger Weise auf eine Seite, wo man genauso denkt.

Da der Artikel morgen schon wieder weg sein kann, verlinke ich ihn nicht nur, sondern habe ihn mal komplett kopiert. Die letzten Sätze des Artikels kann ich mir gut vorstellen, weshalb es eben wichtig ist, dass gar nicht erst der Fuß in die Tür kommt. Darum frage ich mich immer noch, ob es reicht, eine Petition zu unterschreiben. Ich habe keine Ahnung, was man noch machen kann und auch keine Zeit, mich damit eingehend zu beschäftigen. Wenn jemand hier auf die Seite stößt und eine Idee hat, dann immer raus damit.

Hier der Artikel:

Nach Protest-Sturm: Brüssel bläst Zugriff auf private Gärten vorerst ab
Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 06.05.13, 16:08 | Aktualisiert: 06.05.13, 17:02 | 77 Kommentare


Die EU hat auf den Druck der Bürger reagiert, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, welches Obst und Gemüse sie in ihren Gärten anbauen wollen: Die EU wirft sich mit der neuen Saatgut-Verordnung vor den Hobby-Gärtnern förmlich in den Staub. Doch erst wird der Entwurf durch die Hände der Lobbyisten von Monsanto & Co. gehen. Für die Bürger ist weiter höchste Wachsamkeit geboten.
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Themen: Agrarindustrie, Artenvielfalt, EU-Kommission, Lebensmittel, Monsanto, Normierung, Patente, Saatgut, Verbot, Vereinheitlichung, Verordnung
Die EU rudert bei der Saatgut-Verordnung nach einem Proteststurm zurück - vorerst. (Foto: Flickr/Augapfel)

Die EU rudert bei der Saatgut-Verordnung nach einem Proteststurm zurück – vorerst. (Foto: Flickr/Augapfel)

Am Montag hat die EU-Kommission die Änderungspläne zur Neuordnung des europäischen Saatgut-Marktes vorgelegt. In einer Erklärung sagte der zuständige Kommissar Tonio Borg, dass Tausch und privater Verkauf von Saatgut nicht von den Regulierungsmaßnahmen berührt würden. Der kleinstrukturierte Handel und alte Sorten sollen ebenfalls Ausnahme-Regelungen bekommen.

Ziel der Verordnung sei die Vereinfachung der vielen bisherigen Gesetzestexte und ein reduzierter Verwaltungsaufwand für Landwirte, Züchter und Lebensmittelunternehmen, heißt es im entsprechenden Begleittext. Besonders sei darauf geachtet worden, wie sich die Rechtsvorschriften auf KMU und Mikrounternehmen auswirken – diese seien von denjenigen Auflagen ausgenommen, die die höchsten Kosten und den größten Verwaltungsaufwand verursachen.

Das von der Kommission präsentierte Maßnahmenpaket betrifft darüber hinaus auch andere Gesundheits- und Sicherheitsstandards in der Lebensmittelkette, etwa was amtliche Kontrollen und Tiergesundheit angeht. Borg, Kommissar für Gesundheits- und Verbraucherpolitik, sagte im Rahmen der Pressekonferenz:

Im internationalen Vergleich verfügt Europa über die höchsten Sicherheitsstandards für Lebensmittel. Der jüngste Pferdefleischskandal — auch wenn dabei glücklicherweise keine Gesundheitsrisiken bestanden — hat jedoch gezeigt, dass wir noch einige Lücken schließen müssen. Kurz gesagt: Das Paket enthält intelligentere Rechtsvorschriften mit dem Ziel einer noch höheren Lebensmittelsicherheit.

Weiters heißt es in der Pressemitteilung der Kommission:

Das Paket enthält vereinfachte und flexiblere Vorschriften für die Bereitstellung von Saatgut und anderem Pflanzenvermehrungsmaterial auf dem Mark, die die Produktivität steigern sollen.

Durch das breite Spektrum an Pflanzenvermehrungsmaterial und die verbesserten Testvorschriften wird die biologische Vielfalt erhalten und es wird eine Züchtung gefördert, die im Einklang mit den Grundsätzen der nachhaltigen Landwirtschaft

Ausgenommen von den EU-Vorschriften ist der Einsatz von Saatgut zu privaten Zwecken. So können Hobbygärtner weiterhin jede Art von Pflanzenvermehrungsmaterial erwerben und ihr Saatgut in kleinen Mengen auf dem Markt bereitstellen. Ebenfalls keine Anwendung finden die vorgeschlagenen Vorschriften auf Saatgut, das zwischen Personen ausgetauscht wird, die keine Unternehmer sind (z. B. Hobbygärtner).

Mit der neuen Verordnung soll eine größere Auswahl für die Nutzer geschaffen werden, u. a. durch neue verbesserte und getestete Sorten, Material, das nicht der Definition einer Sorte entspricht (heterogenes Material), herkömmliche Sorten und für Nischenmärkte bestimmtes Material.

Die Vorschriften fallen jedoch den Anforderungen an eine bessere Rechtsetzung entsprechend je nach Typ des Materials, Erzeugungsbedingungen und Unternehmensgröße unterschiedlich aus. So gelten für althergebrachte Sorten und heterogenes Material lediglich abgeschwächte Registrierungsvorschriften. Solche Kategorien sind von Tests und anderen rechtlichen Auflagen ausgenommen.

Weniger strenge Auflagen gelten ferner für Mikrounternehmen: Diese können Pflanzenvermehrungsmaterial jedes Typs als „für Nischenmärkte bestimmtes Material“ ohne Registrierung auf den Markt bringen.

Mikrounternehmen brauchen zudem grundsätzlich keine Registrierungsgebühren zahlen.

Ohne den in den letzten Wochen gewachsenen Druck der Öffentlichkeit hätte die Kommission dem Artenschutz und den kleinbäuerlichen Strukturen in ihrem Begleittext zum Verordnungsentwurf wohl nicht solch großen Stellenwert zugemessen.

Ein Artikel auf den Deutschen Wirtschafts Nachrichten wurde hunderttausendfach über Facebook verbreitet und hatte sowohl bei der EU-Kommission in Brüssel als auch im Bundeslandwirtschafts-Ministerium in Berlin dafür gesorgt, dass sich die zuständigen Politiker und Bürokraten doch noch einmal ernsthaft mit den unsinnigen Folgen einer falschen Regulierung auseinandergesetzt haben.

Sowohl die deutsche Bundesministerin für Landwirtschaft Ilse Aigner als auch ihr österreichischer Amtskollege Nikolaus Berlakovich hatten sich daraufhin vergangene Woche gegen Pläne für eine verstärkte Saatgut-Kontrolle ausgesprochen. Aus beiden Ministerien hieß es auf Anfrage, man werde sich im Laufe der Verhandlungen im Rat und im EU-Parlament für einen Erhalt der Artenvielfalt auf den Feldern und in den Gärten einsetzen.

Ob den Hauptforderungen der Umweltorganisationen wie Arche Noah, Global 2000 und Save the Seeds nachgekommen wird, wird sich aber erst im weiteren Gesetzgebungsprozess zeigen. In ihrer gemeinsamen Petition fordern sie unter anderem die Sicherstellung, dass keine verpflichtende Sortenzulassung und Zertifizierung für Saat- und Pflanzgut notwendig sind, das nicht durch ein Patent geschützt ist.

Auch was die Verordnung für den Saatgutmarkt außerhalb der schmalen Nische ursprünglicher Sorten bringt, muss genau beobachtet werden. Die Lobby der Agrochemie-Konzerne wird auch weiterhin ein wachsames Auge auf die Politik der EU haben – was ihr nicht schwerfällt, weil sie an vielen Stellen die EU von innen her kontrollieren kann (hier). Schon heute beherrscht eine kleine Gruppe von Saatgut-Produzenten den Großteil des weltweiten Marktes.

Hier liegt auch die entscheidende Gefahr, die mit der nun abgeschwächten Verordnung keineswegs aus der Welt ist: Dass nämlich die Großen wie Monsanto die Kleinen mit ihrer schieren wirtschaftlichen Macht erdrücken. Eine Marktverschiebung zugunsten von Monsanto & Co. würde nämlich das Ende der Artenvielfalt weltweit bedeuten. Die Ernährung der Weltbevölkerung wäre dann in der Hand einiger weniger kommerzieller Konzerne – keine unbedingt erfreuliche Vorstellung.

Das Europäische Parlament und der Rat werden nun über das Maßnahmenpaket beraten und anschließend ihre Standpunkte vorlegen. Nach jetzigem Stand ist davon auszugehen, dass das Paket nicht vor 2016 in Kraft treten wird.

Bis dahin ist weiter höchste Wachsamkeit geboten: Denn Regulierungen werden in der Regel noch massiv verändert, bevor sie in Kraft treten. Man kann davon ausgehen, dass die Lobby der Agrar-Industrie besonders vielfältige Aktivitäten unternehmen wird, um die neuen Regeln zu beeinflussen. Daher könnten am Ende zahlreiche Ausnahmen in drei Jahren wieder verwässert werden.

Die jetzt fast überdeutlich formulierten Freiheiten des einzelnen, in seinem Garten anbauen zu dürfen, was er möchte, könnten sich dann als reiner Marketing-Gag der EU erweisen, um die Bürger erst einmal zu besänftigen – und am Ende doch zu tun, was das große Geld von der EU verlangt.

Es wäre nicht das erste Mal.

Es könnte aber wegen der vitalen Frage, um die es hier geht, das letzte Mal sein.


Quelle: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013....UYizyX90AG4.blogger

Liebe Grüße

Dette
Letzte Änderung: 4 Jahre 2 Monate her von dette.

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